Grazer Amokfahrt | Täter festgenommen

Drei Tote – Lenker des Fahrzeugs wurde bereits festgenommen

Graz – Der beschädigte grüne SUV steht wie ein Geisterfahrzeug vor dem Polizeiwachzimmer in der Schmiedgasse. An der Beifahrerseite hängt ein leichter weißgrauer Damenschal, unter dem Auto baumelt ein Turnschuh. Ein Scheinwerfer leuchtet noch hinter dem zerquetschten Blech heraus. Wo der Wagen steht, ist es still, die Straße am Anfang und Ende abgesperrt. Es ist kurz nach halb zwei am Samstagnachmittag und ein Beamter warnt die Journalisten, nicht zu nah ran zu an das Fahrzeug zu gehen. „Wir wissen noch nicht, was da sonst drinnen ist.“

Die Parallelstraße der Schmiedgasse ist die wichtigste Einkaufsstraße mit Fußgängerzone der Stadt: Die Herrengasse. Hier spielte sich nur eineinhalb Stunden zuvor die Hölle ab. Der Fahrer des Geländewagens raste mit rund 100 kmh die Straße, die den Jakominiplatz und den Hauptplatz verbindet hinunter – offenbar auf der Jagd nach Fußgängern. Die Straße war voll, es war ein sonniger Samstag, viele Menschen saßen in den Straßencafés. Drei Tote sind bisher laut dem steirischen Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer bestätigt. Ein Todesopfer ist ein kleiner Bub. 34 Menschen sind verletzt, davon schwebt einer noch in Lebensgefahr!

In der Innenstadt bot sich ein Bild wie nach einem Anschlag, der Hauptplatz und die Herrengasse wurden großräumig abgesperrt. Foto: apa/elmar gubisch

 

Der Grazer Bürgermeister, Siegfried Nagl, war selbst auf seiner Vespa in der Altstadt unterwegs und beobachtete, wie der Fahrer absichtlich eine Frau niederfuhr. Mittlerweile kursieren Zahlen von über 50 Verletzten – der Mann dürfte schon am Kaiser Josef Platz losgerast sein. Der Lenker hatte allerdings schon zuvor auf seiner Fahrt mehrere Fußgänger niedergestoßen. Da Rettungskräfte zu diesem Zeitpunkt schon in der ganzen Innenstadt im Einsatz waren, blieb der Schwerverletzte am Markt vorerst nur notdürftig versorgt.

In den selben Minuten, einige hundert Meter entfernt, landete ein Rettungshubschrauber am Rasen vor der Grazer Oper. In der Nähe des Operncafes hatte der Amokfahrer ebenfalls Passanten mit seinem Auto attackiert. Der Mann fuhr anschließend mit seinem Geländewagen in die Hamerlinggasse und weiter in die Herrengasse.

In der Innenstadt bot sich ein Bild wie nach einem Anschlag, der Hauptplatz und die Herrengasse wurden großräumig abgesperrt, weinende Menschen lehnten den Hauswänden, auf der Straße lag ein zerbeultes Kinderfahrrad.

„Ich war gerade in der Apotheke in der Herrengasse Ecke Stempfergasse, berichtet die Kunstgeschichtestudentin Joana T. einem Reporter vor Ort, „plötzlich habe ich nur mehr Schreie gehört, wir sind hinausgelaufen und haben Menschen herum liegen sehen, der Wagen ist Richtung Hauptplatz weitergerast“. Auf Höhe Murgasse soll der Wagen dann laut einer Augenzeugin der APA ins Schleudern gekommen sein.

Die Rettungskräfte aus der gesamten Region wurden in Graz zusammengezogen. Foto: standard/schmidt

 

Als das Auto stehen blieb, sprang der Mann heraus und soll laut Zeugen noch Menschen mit einem Messer attackiert haben, bevor er überwältigt werden konnte. Andere Passanten wollen von der Messerattacke aber nichts gesehen haben.

In den beiden Stunden danach wurde es immer ruhiger in der Herrengasse. Nur die Sirenen von Polizeiautos und Krankenwagen verstummten nicht. Und überall stehen betroffene Menschen. Schweigend oder weinend oder sie erzählen sich leise, was sie gehört oder gesehen haben.

 

Krisenstab eingerichtet

„Wir sind alle gefordert, das Miteinander zu suchen und Gräben nicht aufzubauen, so der steirische Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer in einer Pressekonferenz am Samstagnachmittag. Sein Stellvertreter Michael Schickhofer (SPÖ) sagte: „Es tut unendlich weh, für mich als Familienvater nicht zu fassen, was hier passiert ist. Es wurde alles getan, um die Verletzten sofort zu versorgen.“ Die Versorgungskette habe funktioniert, 50 Rettungswägen, 16 Notärzte, Ärzte, die als Passanten unterwegs waren, halfen sofort. Die Kriseninterventionsteams waren und sind im Einsatz.

 

 

Quelle: derStandard