Allianz Studie: Straßenverkehr ist weltweit Todesfalle Nummer Eins für junge Menschen

  • Risiko-Hotspot: nachts auf der Landstraße
  • Junge Männer haben deutlich mehr Verkehrsunfälle als junge Frauen
  • Allianz Umfrage belegt verfehlte Selbsteinschätzung: Junge Autolenker halten sich für defensiv und verantwortungsbewusst

Alle 80 Sekunden stirbt weltweit ein junger Mensch im Straßenverkehr. Verkehrsunfälle sind für die 18- bis 24-Jährigen damit Todesursache Nummer Eins, noch vor Krankheiten, Drogen oder Gewalt. Auch in Österreich zählen junge Autofahrer zu den meistgefährdeten Straßenverkehrs-Teilnehmern, wie eine Allianz Studie aufzeigt. Pro Jahr verunglücken hierzulande mehr als 8.000 Menschen dieser Altersgruppe, über 50 davon tödlich. Über 80 Prozent davon sterben als Autonutzer, einer der höchsten Werte im EU-Vergleich. Zwei Mal pro Tag gibt es im Schnitt einen Schwerverletzten. Die aktuelle Allianz Umfrage zeigt: Risikobewusstsein existiert in dieser Altersgruppe am ehesten im Hinblick auf alkoholisiertes Fahren.

„18- bis 24-jährige Autofahrer verunglücken deutlich häufiger zu Abend- und Nachtzeiten. Das Zusammenwirken mangelnder Fahrpraxis und höherer Risikobereitschaft dürfte hier eine wesentliche Rolle spielen“, betont Dr. Jörg Kubitzki, Verkehrssicherheitsforscher im Allianz Zentrum für Technik. Risiko-Hotspots sind Bundesstraßen und Landstraßen. Überhöhte Geschwindigkeit und Alkoholeinfluss meldet die Statistik als Hauptursachen von Unfällen.

Mäßiges Risikobewusstsein

Dabei sehen die jungen Pkw-Lenkerinnen und Lenker selbst ihren Fahrstil eher als defensiv und verantwortungsbewusst, wie die aktuelle Umfrage der Allianz Versicherung feststellte. Nur 31 Prozent geben zu, dass sie sich hin und wieder zu riskanten Fahrmanövern hinreißen lassen. Und für 85 Prozent der Befragten ist Alkohol laut Eigenangabe ein triftiger Grund, das Auto auch mal stehen zu lassen. Allgemein wird das Autofahren mit der zweithöchsten Unfallgefahr verbunden, aber nur knapp ein Drittel der jungen Erwachsenen hält Autofahren für sich persönlich wirklich für gefährlich. Auffällig:
Während Frauen eventuelle Risiken eher beim eigenen Fahrverhalten sehen (Alkohol, Ablenkung, Geschwindigkeit), schätzen Männer meist die äußeren Gegebenheiten als gefährlich ein (schlechte Witterung, dichter Verkehr, Fehler anderer Fahrer). Die internationale Unfallstatistik weist in dieser Altersgruppe Frauen als deutlich sicherer unterwegs aus: Nach einer Allianz Auswertung stehen 1,83 verursachte Unfälle pro 1 Million Kilometer bei Männern nur 0,99 bei Frauen gegenüber.

Mehr und schwerere Unfälle durch junge Lenker

„Gerade bei jungen Menschen ist die Gefahr der Ablenkung am Steuer besonders hoch, insbesondere durch die verstärkte Nutzung moderner Kommunikationstechnologie während der Fahrt“, so Kubitzki. 49 Prozent der Autofahrer zwischen 18 und 24 Jahren bestätigen häufige Ablenkung durch Handytelefonate, SMS, Musik, Essen, Trinken, Rauchen und vieles mehr. Wie die Allianz Schadenforschung zeigt, werden aber nicht nur besonders viele, sondern auch besonders schwere Unfälle durch junge Lenker verursacht. Tatsache ist, dass bei Fahrten jüngerer Menschen tendenziell mehr Insassen an Bord sind. Und dass junge Lenker meist mit älteren Gebrauchtwagen ohne moderne Sicherheitsausstattung unterwegs sind. Laut Allianz Umfrage ist das derzeitige Auto 18- bis 24-jähriger Österreicherinnen und Österreicher im Schnitt immerhin bereits 7,7 Jahre alt.

Europaweit liegt unser Land hinsichtlich des Anteils junger Todesopfer im Straßenverkehr mit 15,8 Prozent im Mittelfeld. Besonders gefährlich ist es für jüngere Leute auf den Straßen Maltas (30,8 Prozent), am geringsten ist der Anteil junger Unfallopfer in Ungarn (6,9 Prozent).

Mit Vollgas in die Freiheit

Ohne Anlass und nur zum Vergnügen ist gemäß Allianz Umfrage nur jeder fünfte junge Autofahrer hin und wieder unterwegs. „Während das Fahren selbst somit eher zweckorientiert erfolgt und auf das Notwendige reduziert wird, löst der Erwerb eines Autos nach wie vor besondere Emotionen von Freiheit und Unabhängigkeit bei jungen Menschen aus“, kommentiert Kurt Benesch, Geschäftsführer des Allianz Kundenservice, die Umfrageergebnisse. Diese liefern noch weitere interessante Zahlen: 85 Prozent der Wiener und 98 Prozent der Bewohner kleiner Orte haben spätestens mit 24 ihren Führerschein in der Tasche. 47 Prozent dieser Altersgruppe fahren bereits mit dem eigenen Auto. Und nur 4 Prozent der Befragten wollen grundsätzlich auf den Führerschein verzichten.

Eine Kostenfrage

„Verkehrsrisiken oder Umweltschutz-Aspekte können junge Menschen vom Autofahren jedenfalls nicht abhalten“, so Benesch. Und auch die zunehmende Urbanisierung der Jugend konnte der Bedeutung des Autos nichts anhaben. Beim Kauf des Wagens spielen Preis, Verbrauch und laufende Kosten eine Hauptrolle, wie die Umfrage nachweist. Ganz besonders bei den Frauen, während junge Männer zumindest mit einem Auge auch auf Design, Marke und Motorleistung blicken. Geld ist in dieser Lebensphase oftmals Mangelware, was letztlich zum extrem hohen Gebrauchtwagenanteil von 83 Prozent bei den 18- bis 24-Jährigen führt. Pkw-Besitz korreliert dementsprechend auch mit dem Grad der Berufstätigkeit. So besitzen 75 Prozent der voll Berufstätigen unter 24 Jahren einen Pkw, während bei Studierenden oder Arbeitslosen der Anteil weit darunter liegt.

„Autofahren ist aus dem Alltag junger Menschen nicht wegzudenken“, fasst Benesch zusammen. Auch wenn das Fahren selbst weit weniger Freude weckt als der Kauf des Wagens. Und steht das Auto erst mal vor der Tür, wird sein Gebrauch für viele Menschen rasch zu einer simplen Nutzenerwägung. Den Wunsch nach der nächsten Urlaubsreise, nach einer größeren Wohnung oder auch nur den neuesten Errungenschaften der Unterhaltungselektronik schmälert es durchaus nicht.

Prävention: Technische Lösungen auf dem Vormarsch, Selbstverantwortung jedoch unumgänglich

Auch wenn die Unfallzahlen im Vergleich zu den 1980er Jahren gesunken sind, bleiben junge Fahrer die am meisten gefährdete und gefährdende Gruppe im Straßenverkehr. Um diese besser zu schützen, gibt es schon heute technische Verkehrssicherheitslösungen: So könnte ein Ausbau von elektronischen Stabilitätsprogrammen (ESP) Abhilfe schaffen, wie dies in Neuwagen gemäß EU-Vorgabe auch schon umgesetzt wird. Da aber junge Fahrer vermehrt Gebrauchtwagen nutzen, ist diese Sicherheitslösung noch nicht bei allen angekommen, liegt doch die Ausstattungsquote bei Gebrauchtfahrzeugen in Deutschland bei erst 65 Prozent. Die Allianz begrüßt daher grundsätzlich die Entwicklung und Implementierung von technischen Verkehrssicherheitslösungen in Kraftfahrzeugen. Neben den individuellen Verhaltensweisen, die durch Aufklärung und Bewusstseinsbildung verändert werden können, seien jedoch weitere Maßnahmen notwendig. Die Ergebnisse des Reports zeigen, dass begleitende pädagogische Aufklärung und Kontrollen nötig sind, um das Verhalten junger Verkehrsteilnehmer zu beeinflussen. Die Rolle von Ablenkung durch Kommunikationsmittel und das Problem Alkohol sind aus Sicht der Schadenprävention von besonderer Bedeutung, wie Benesch ausführt: „Wir fordern ein stärkeres Sicherheits- und Verantwortungsbewusstsein des Einzelnen – und dazu gehört vor allem aber auch die Vorbildfunktion aller erwachsenen Autofahrer – Selbstverantwortung ist durch Technik niemals zu ersetzen“, so Benesch abschließend.

Die Umfrage wurde als Online-Befragung vom Marktforschungsinstitut GfK im Auftrag der Allianz durchgeführt. Befragt wurden 500 Österreicherinnen und Österreicher zwischen 18 und 24 Jahren.